Franz Fühmann & Jacky Gleich:
Das Wintermärchen

nach Shakespeares „A winters tale“
Rostock: Hinstorff 2009

www.hinstorff.de

ISBN 978-3-356-01330-6
48 Seiten * 12,90 * ab 08 Jahre

 

 

 

 

Sizilien und Böhmen werden zum warmen und sonnenfreundlichen Süd- und zum Nordreich mit eiskalten neunmonatigem Winter – ansonsten bleibt Fühmann inhaltlich am Text von Shakespeares Komödie „A winter’s tale“, die für das Theater geschrieben wurde. Aber er macht daraus ein stimmiges wunderbares Märchen, erzählt eine Geschichte voller Wirrungen und Irrungen, die märchenhaft glücklich endet.

Drama

Die handelnden Figuren sind plakativ. So hat sie Shakespeare einst erfunden, damit auch der ungebildete Mensch der Handlung auf der Bühne folgen kann. Fühmann folgt den Vorgaben, also auch den Figuren, übernimmt auch deren Charaktere.
Wir haben zwei Königreiche, zwei Könige, die sich lieben und ehren, weil sie zusammen groß wurden. Aber kaum kommt ein Verdacht auf, beginnt eine Art von Bergrutsch, der von Menschenhand nicht mehr zu stoppen ist. So kommt auch die griechische Götterwelt in Form des Orakels von Delphi hinzu.

Es dreht sich um wenige starke und viele schwache Personen, um die Gefahr, der sich die Mächtigen ausgesetzt sehen, nämlich um Selbstüberschätzung und Ungerechtigkeit. Die Liebe kommt aber nicht zu kurz, auch wenn sie kurzzeitig in Eifersucht, ja Hass umschlägt.

Lesegeübte 10-jährige und ältere Kinder können den Text selbstständig erlesen, zum Vorlesen ist die Geschichte nicht geeignet, denn die Wechsel sind wohl nicht durch Hören immer nachvollziehbar.

Es handelt sich auch nicht um ein Bilderbuch, auch wenn Jacky Gleich mit ihren Bildern der Geschichte einen deutlich aktuellen Anstrich gibt. Sie nähert sich dabei „modernen“ Shakespeare - Inszenierungen an, stellt die Räte (im Original sind es „vornehme Sizilianer“) in gelben Anzügen mit Hut dar, kaum zu unterscheiden von ihren hellgelben Hemden und ihrem schwach-gelben Teint. Eine Erinnerung an die grauen Herren in Michael Endes „Momo“ ist sicher nicht zufällig, wird durch die dunklen Brillen an einer Stelle sogar noch verstärkt.

Interessanterweise kennzeichnet Gleich ihre weiblichen Personen seit einiger Zeit mit einer Art durchsichtigem Band über den Augen, das eher an die Panzerknacker von Herrn Disney erinnert als an Mascara und Augenbrauenstift.

Wie weit die Werktreue gehen muss, wird spätestens bei der Figur des Taschendiebs „Hemdenklau“ fraglich. Für eine Aufführung auf der Bühne ganz sicher eine wichtige Figur, die auch dem Publikum klarmacht, dass gelacht werden darf, soll. Im Buch und in der Geschichte verwirrt er eher als das er ihr dient.

 

Fazit: Eine (sehr) gute Adaption eines Bühnenstücks, die eben auch als Geschichte ihren Wert hat.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en