Robert & Almut Gernhardt:
Ein gutes Wort ist nie verschenkt

Reihe: Das Buch mit dem blauen Band
Frankfurt: Fischer 2009

www.fischerverlage.de

ISBN 978-3-596-85384-7
316 Seiten * 22,95 € * ab 12 Jahre

 

 

 

 

 

Der Untertitel ist untertrieben, denn die Gedichte und die Geschichten sind ebenso nicht nur für Kinder wie die wunderbaren surrealen Bilder. Die oft überraschenden Reime und der wunderbare hintergründige Humor von Gernhardt sind einem der sprachgewaltigsten Dichter seiner Zeit angemessen: „Wenn die weißen Riesenhasen / abends übern Rasen rasen“ – und nicht nur dann – wird es Zeit für ein neues Gedicht, ein neues Bild, eine neue Geschichte.

Bild + Wort

Ein aufwendig gestaltetes Buch im Schuber und mit einem blauen Lesebändchen ausgestattet. Das ist sinnvoll, denn man wird es nicht in einem Zug durchlesen, sondern es vielmehr nach wenigen Gedichten beiseite legen und versuchen, sich an die Worte zu erinnern. Und an die Bilder. Almut Gernhardt setzt in oder vor eine künstliche Naturlandschaft ein Tier, meistens eine wunderbar detailreich gezeichnete Katze, die aber dort eher verloren wirkt, zu groß, in einem Suppenteller, auf der Oberfläche eines Sees, hinter einem Blechspielzeug. Anstatt Katze setzt sie aber auch andere Tiere in Szene: Schwein, Hase, Schaf, auch mal einen Hund oder sogar einen Elefanten. In den Bilderfolgen, die allein schon eigene Geschichten erzählen, sind es immer schwarz-weiß gefleckte Katzen, der Statur nach noch eher Kater: jung, muskulös, neugierig.

 

Die Gedichte oder kleinen Erzählungen leben vom Sprachwitz und vom Einfallsreichtum. Sie sind wohl oft von den Bildern inspiriert, gelten aber auch ohne diese. Das gilt sogar für die einzelnen Kapitel von Franz und Frieda, beides Federn, die ein Eigenleben voller Abenteuer haben, bis sie ein seliges Ende bei der Malerin finden.

 

Kein Buch für die Schule, aber eins das jedes Haus schmückt. Stilbildend vor allem für den Humor (Robert Gernhardt gehörte zu den Redakteuren der Zeitschrift Pardon, die eine ganze Generation prägten: „Die größten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“ ist nicht Volksgut, sondern von ihm damals gereimt worden) und auch für den Schreibstil, der Ergebnisse oft vorwegnimmt, um mit der Voraussetzung zu schließen. Hier steht auf Seite 175: „Wisst ihr, was mit jedem Tag geschieht, auch mit dem traurigsten? Er geht einmal zu Ende.“

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en