Volker Ufertinger & Klaus Ensikat:
Warum haben Engel Flügel?

München: cbj 2009

www.cbj-verlag.de

63 Seiten * 4,95 € * ab 8 Jahre

 

 

 

 

 

Nur drei Engel der Bibel haben Namen – und alle enden auf –el. Das kleine Taschenbuch lüftet das eine oder andere kleine Geheimnis der „Engel“ (= Bote) und geht auf Fragen ein, die ein Kind – vielleicht – haben mag, nämlich zum Beispiel, ob sie denn wirklich Flügel haben, und wenn ja, warum.

Engel Engel Engel Engel - Nadelspitze

Weltweit gibt es wohl in allen Religionen Vermittler zwischen dem Hier und dem Jenseits, mögen sie aussehen, wie sie wollen – wenn sie denn überhaupt „aussehen“. Die Bibel, diese Bibliothek von Büchern, die im Lauf von rund 1200 Jahren aufgeschrieben wurden, gibt nur wenig Auskunft über die Engel.

Wesen mit Flügeln, so schreibt Ufertinger, gibt es im Alten Testament nur zwei Arten von Wesen (Cherubim und Seraphim), aber beide Arten sind keine Engel. Die treten erst im Neuen Testament auf – und da gibt es entweder „die himmlischen Heerscharen“ oder Michael, Gabriel und Raphael. Die Endung, so betont der Autor, sei nicht zufällig, denn „El heißt auf hebräisch Gott“ und Michael demgemäß „Wer ist wie Gott?“.

Das Buch gliedert sich in elf Kapitel, jede könnte eine Frage eines Kindes sein, der der Autor nachgeht: Wie sehen Engel aus? Sind alle Engel gleich? Können aus Menschen Engel werden? und so weiter. Die Frage nach den Schutzengeln kommt natürlich auch und Werner Bergengruen wie Ludwig Thoma werden zitiert.

 

Das ganz Besondere am Buch sind die Bilder, Skizzen, die zart kolorierten feinen Striche von Klaus Ensikat. Er hängt die weiße Wolke an zwei Seile, damit der leicht debile Engel darauf sitzen kann und zeichnet einen Thomaner(?)-Sängerknaben, wie er vielleicht vor knapp 100 Jahren ausgesehen haben mag, sieht man einmal von seinen Flügeln ab. Der androgyne Engel-Post-Bote schaut fast herausfordernd knapp an uns vorbei und Amor erweist sich als ältlicher Typ, der ein bisschen zu klein geraten ist. Sein Hinweis auf die niedlichen Engelsputten von Raffael gerät zur Satire, und sein Schutzengel könnte auch Arielle sein – käme sie (?) nicht aus der Luft, sondern aus dem Meer, um den schiffbrüchigen jungen Mann zu retten. Köstlich.

 

Insgesamt ein gelungener Beitrag zum Thema „Engel“ in vor allem unserem Kulturkreis. Er nimmt das Thema ernst, aber – wie Ludwig Thoma vielleicht sagen würde – nicht bierernst.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en