Alain Serres u.a.:
Die Erde, die uns trägt

Illustriert von Zaü
aus dem Französischen von Tobias Scheffel
Ravensburg: Ravensburger 2009

www.ravesburger.de

ISBN 978-3-473-55248-1
96 Seiten * 14,95 € * ab 08 Jahre

 

 

 

 

„Wir Menschen können verschönern, verwandeln, verteilen – haben aber auch die Macht, auszulöschen und zu zerstören“ formuliert Yann Arthus-Bertrand in seinem Vorwort. 38 wunderbare Luftfotos zeigen die Schönheit, die wir eventuell gedankenlos aufs Spiel setzen. Das Buch hält dagegen, mit den Fotos, aber auch mit den schwarz-weißen Illustrationen zu den Texten, die eher Gedichte sind.

Unser Planet, so schön, so wichtig

Die Fotos nehmen immer die ganze Seite des Querformats ein, kein Rand, kein Hinweis auf den Ort – dafür ist im Bildnachweis am Ende des Buches noch Zeit genug. „Erde“ als Ort muss genügen. Der Text geht auch nicht direkt auf das Foto ein, benutzt es eher als Quelle einer Assoziationskette, die wir gar nicht nachvollziehen müssen, denn er spricht direkt zu uns, der Text anders als das Foto, beide treffen. Als Dritter im Bund sind die Bilder von Zaü: schwarze Tusche zumeist mit dem Pinsel auf weißem Papier. Der Frosch spring, ist schon halb im Teich, der Fahrradbote in der Großstadt trägt eine Maske vor seinem Mund, der Plastik-Strohhalm mit dem quaderförmigen Eis im Glas muss nicht mehr sagen – das Foto des Eisbergs mit dem hellen Weiß in dem fast unglaublichen blaugrünen Wasser sprechen dagegen, wie es keine Worte wohl vermögen. Die verschärfen, ohne auf das Foto oder die Illustration direkt einzugehen: „Wir zerstören, was uns beschützt.“

Das Wasser (Nahrung, Landwirtschaft, Fischfang, …), die Luft (Abgase, Klimawandel, …), der Rhythmus des Lebens, das Dach über dem Kopf und die Kleidung, die Arbeit der Kinder für die Reichen, das Öl als „schwarze Fracht“, die Schönheit – das sind die Themen, die uns ansprechen.

Das Ziel des Buches wird deutlich angesprochen: Der Mensch formt und agiert und ist zugleich der Einzige, der in der Lage ist, bewusst in die Zukunft zu schauen. Das macht ihn besonders verantwortlich, das jetzige Leben so zu gestalten, dass die Zukunft das Leben noch lebenswert zu macht. Da wir wissen, dass „erst die Vielfalt des Lebens“ deutlich macht, „was Leben bedeutet“, müssen wir das Kleine schützen, damit das Große nicht verloren geht. Zukunft ist Zukunft der Kinder, und wenn diese mit diesem Buch sehen, welche Schönheit auf dem Spiel steht, werden sie (vielleicht) auch rufen, schreien, die Erwachsenen bitten, FÜR diese Zukunft zu sorgen.

 

Dieses Ziel wird durch dieses Buch wohl nicht erreicht, aber ein Tropfen füllt ja auch nicht das Fass. Suchen wir nach weiteren Tropfen.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en