Anu Stohner & Reinhard Michl:
Die Weihnachtsmäuse

München: Hanser 2009
ISBN 978-3-446-23424-6

128 S * geb * 9,90 € * ab 4 J

 

 

 

 

Die Rahmenhandlung hat auch ein eigenes Vorkapitel. Die Waldtiere erfuhren bei ihrem Treffen auf der Lichtung (nur in friedlicher Absicht!), dass die Menschen einen schönen Brauch haben, um sich die Tage bis Weihnachten angenehm zu verkürzen, nämlich den Adventskalender. Zunächst gehen die Meinungen sehr auseinander, doch dann kann man sich einigen: jeden Abend eine kleine Geschichte, 24 insgesamt. Die Stadtmaus soll erzählen.

24 Tage

Was nun folgt, sind 24 5-Minuten-Gute-Nacht-Vorlese-Geschichten, die alle von der weisen Eule eingeleitet, von der Stadtmaus erzählt und immer an spannender Stelle unterbrochen werden. Zunächst fühlt sich die Stadtmaus ein wenig in Zugzwang gebracht, aber es schmeichelt ihr offensichtlich auch, dass sie für 24 Tage im Mittelpunkt der Waldtiere stehen wird. Die Geschichte, die dazu passt, muss selbstverständlich auch Mäuse im Zentrum haben.

Und so erfahren wir, wie die Mäuse des Waisenhauses dieses  f a s t  verließen, doch der kleine Max erfährt im letzten Moment von der Not. Dieses Jahr wird Weihnachten für die kleinen Waisenkinder total ausfallen, nicht einmal einen Weihnachtsbaum wird es geben, keine selbst gestrickten Socken, einfach  N i c h t s. Da müssen sie doch irgendwie helfen, oder? Der „Große Mäuserat“ wird einberufen, ein Ereignis ersten Ranges, denn er trat seit Generationen nicht zusammen.

Wie die Katzen mit „großem Katzenehrenwort mit Schnurren und Krallen“ in die Geschichte hineingezogen werden, ja, wie nach und nach alle Tiere ihren Beitrag leisteten, damit Weihnachten für die Waisenkinder doch noch zu einem Fest wird, das muss man sich schon selbst vorlesen lassen.

 

Ganz reizend, wie Anu Stohner das Wesen der Tiere mit in die Geschichte einfließen lässt. Der Maulwurf findet Adventsbilder gar nicht gut – und die Fledermaus unterstützt ihn sofort, Schlosshunde können zwar gut heulen, aber das ist selbstverständlich nichts gegen das Können der Wölfe, der Fuchs darf schlau sein, die Eule weise, die Mäuse pfiffig, Bär und Elch stark und ein bisschen einfach – und der Wolf darf am Ende darüber nachdenken, ob sein Sohn nicht recht hat mit seinem Wunsch, das Ritual der Menschen zu übernehmen.

 

Die Geschichte wäre zwar auch ohne Bilder sehr schön, aber wenn man die Stadtmaus je am Ende einer Vorleseeinheit nicht hätte, würde schon sehr viel fehlen. Frech sieht sie aus, grau natürlich, sich ihrer Bedeutung je bewusst, und das Gelborange von Ohr, Fuß und Schwanz macht sie sauber und sympathisch. Darüber hinaus beginnt jedes Kapitel mit einer ganzseitigen Zeichnung, die sich oft auf das Ende des Kapitels bezieht, also ein wenig Spannung vorab aufbaut. Während der Titel von dem berichtet, „was Mäxchen das Blut in den Adern gefrieren ließ“, sehen wir bereits die Katze am Fenstergitter und auch die Mäuseversammlung, jeder Einzelne sich ihr mit offenem Mund und sich ergebend und fast anflehend zuwenden. Michls Tiere sind absolut liebenswert, mag ihr Charakter auch anders dargestellt werden.

 

Dass die Geschichte nicht gradlinig verläuft, retardierende Momente hat und immer wieder einen neuen Spannungsbogen aufbaut, ist nach dem bisher Gesagten fast selbstverständlich. Dass das Buch für mindestens eine Vorweihnachtszeit ein Lieblingsbuch ist, muss mindestens stark vermutet werden.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en