Wilhelm Hauff & Cornelia Haas:
Der kleine Muck und andere Märchen

Münster: Coppenrath 2009

www.coppenrath.de

ISBN 978-3-8157-8453-2
80 Seiten * 16,95 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

„Stichst du mich, so beiß ich dich!“ droht die sprechende Gans dem Zwerg Nase. Beide helfen sich aber gegenseitig, sodass der letztlich der Zauber von ihnen genommen werden kann. Zwerg Nase ist eins von vier Märchen, die Cornelia Haas mit wunderschönen Bildern sichtbar gemacht hat und die in einer aufwendigen, fast luxuriösen Aufmachung gedruckt sind.

Lieblingsbuch

Nach „Zwerg Nase“, einem Märchen aus dem Abendland, folgen noch drei, die im Orient spielen. „Das Märchen vom falschen Prinzen“ zeigt, dass ein Schuster bei seinen Leisten bleiben soll und nicht versuchen, sich als Prinz auszugeben. Glück und Ruhm kann man auch mit dem Handwerk erlangen. „Der kleine Muck“ findet mit seinen „Renn“-Pantoffeln und dem magischen Wanderstock letztlich seinen Platz in der Gesellschaft, und der Zauberer Kaschnur, der den Kalifen und seinen Wesir als Störche in „Kalif Storch“ fast verhungern ließ, ereilt nach Errettung der beiden die verdiente Strafe, der Tod.

Sie lassen sich wunderbar vorlesen, aber auch gut nacherzählen, diese Märchen, vermeiden sie doch Grausamkeiten, punkten eher mit Exotik – und leben von den wunderbaren Bildern. Jede Textseite wird durch ein Ornament am unteren Rand geschlossen, das je nach Märchen ein wichtiges Detail in der Mitte darstellt. Ganz- oder sogar doppelseitige Bilder, die zum Teil einen kurzen Text integrieren, wechseln sich ab mit Textbegleitern. Die Menschen in den aquarellierten Bildern sind leicht karikiert dargestellt, dabei aber doch sehr lebendig. Cornelia Haas benutzt viele Komplementär-Kontraste, ohne dass diese aufdringlich erscheinen. Landschaften wie Schlosssäle werden eher angedeutet, die Personen stehen klar im Vordergrund.

Die wunderbare Sprache Hauffs werden Kinder – vielleicht - nicht gleich zu würdigen wissen, ist sie doch aus dem 19. Jahrhundert und ein wenig „altertümlich“. Damals durfte man noch „angenehm von Gestalt“ sein, bei seiner Mutter „auf dem Markt zu sitzen pflegen“ oder „nichts zu erwidern vermögen“. Da durfte man auch „Großmut“ zeigen, seine Eltern lieben und ehren und eine Eule nicht heiraten, nur weil diese eine Prinzessin sei. Man wusste ja nicht, ob sie auch wirklich schön und anmutig war – und vor allem zu dem Mann passte.

Im Vorspann steht in lateinischer Ausgangsschrift: „Sei lieb zu diesem Buch!“ Das wollen wir wohl sein.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en