Christiane Pieper:
Die Nichte in der Fichte

Wuppertal: Peter Hammer 2009

www.peter-hammer-verlag.de

ISBN 978-3-7795-0272-2
24 Seiten * 13,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

So sind gute Bilderbücher: Frisch drauf los gezeichnet, der ausgedachten Wahrheit ein reales Bild gegeben und einen lustigen gereimten Text dazu gepackt. Wenn dann auch noch die Perspektiven mutig sind und das Thema „Mädchen und Pferd“ heißt, dann kann auch am Schluss gern stehen: „So wunderbar ist eine Nacht / mit Tieren im Winter im Stall zugebracht!“

Probieren

Wir erfahren nicht den Namen der Nichte, der Onkel stellt sich auch nicht vor. „Da reitet meine Nichte / einfach auf die Fichte.“ steht zu Beginn der Geschichte, und das Bild zeigt, wie selbstverständlich das geht: Pferd und Reiter gedreht, beide den breiten Fichtenstamm im Schritt senkrecht bergan. Dann ein Perspektiv-Wechsel, den man zunächst gar nicht recht versteht, so wie das Eichhörnchen auch nicht versteht, was da vor sich geht. Kommt doch eine Reiterin mit roten Stiefeln und Pudelmütze und Schal und einem Stock auf einem Schimmel, der einen Anflug von Knappstrupper/Knabstrupper a la Pippi Langstrumpf hat, den Stamm hochgelaufen!
Und, „was wollen die beiden so hoch in den Ästen?“ Man glaubt es kaum, sie wollen Fichtenzapfen ernten, denn die knistern so geheimnisvoll, wenn die Schuppen aufgehen.

Eine richtige Nonsense-Geschichte genau so zu Bild gebracht. Wie selbstverständlich steht das Pferd senkrecht zum Stamm und schaut erstaunt, wie sich die Nichte ganz vorsichtig und ängstlich auf dem Ast nach vorn schiebt und mit ihrem Stock versucht, einen Tannenzapfen vom Ast vorn zu lösen – was absolut nicht gelingen will, sodass Nichte wie Pferd letztlich aufgeben.

Von Enttäuschung doch keine Spur, denn die beiden leben nach dem Motto: „Die Hauptsache ist doch: Wir haben’s probiert!“

Und das ist ein schönes Motto, das selbst ein Leben lang halten kann.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en