Baek Hee Na & Kim Hyang Soo:
Wolkenbrot

Aus dem Koreanischen von Christina Youn-Arnoldi

München: Mixtvision 2009

www.mixtvision-verlag.de

ISBN 978-3-939435-19-8
38 Seiten * 13,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Ein ungewöhnliches, poetisches und leises Bilderbuch – sowohl wegen seines Inhalts wie in der dargebrachten Form. Es handelt sich um eine „was wäre, wenn“-Geschichte, die zum Teil gezeichnet, ausgeschnitten und eingefügt wurde in einen gestalteten Raum, der - fotografiert - uns nun die Geschichte von der Wolke liefert, die zu Brötchen weiterverarbeitet wurde. Da werden die Personen plötzlich leicht wie die Wolke selbst.

Wolkenleicht

Wir haben die Familie Katze, die aber sehr menschlich lebt. Vater ist in Eile und muss schnell ins Büro. Zuvor aber haben meine kleine Schwester und ich die kleine Regenwolke, die sich im Geäst eines kleinen Baumes verfing, eingesammelt und meiner Mutter gebracht. Mit einigen Zutaten versehen war die Wolke die ideale Grundlage für die Brötchen, die wir anschließend frühstückten. „Leicht wie eine Wolke“ fühlen sich die Esser anschließend, und genau so ist es: Sie können fliegen, sich im Raum bewegen, wie es die Wolke kann, nein, besser noch, denn sie können die Richtung und Geschwindigkeit bestimmen.

 Die Bilder / Fotos sind „installiert“. Dazu werden Gegenstände des täglichen Lebens genutzt (Pappen, Stoffe, Gestricktes, Fliesen. Viele Teile sind gezeichnet und ausgeschnitten, appliziert, vor allem die Köpfe der Katzen mit den meist großen Augen, öfter auch unterschiedlich groß. Eine „wilde Mischung“ von Aufbau eines Raumes, Lichteinfall, etwas übertriebener Gestik (damit auch der Zuschauer – wie im Theater – die Gefühle der handelnden Personen versteht) und trotz der fantastischen Aussage sehr menschlich. Mit der Unterstützung der Kinder und den Wolkenbrötchen kommt Papa noch pünktlich ins Büro.

 

Eine wunderbare Geschichte über den Sieg der Fantasie über die Wirklichkeit genau so umgesetzt in die „reale Welt der Fotografie“. Wer würde schon behaupten, dass Fotos nicht die Wirklichkeit abbilden. Also.

 Wenn Kinder das „als ob“ verstehen, sich in andere so hineinversetzen können, dass sie das zugleich als Spiel begreifen, werden sie mit dieser Foto-Geschichte mit einer weiteren Dimension bedient, denn hier wird gezeigt, dass Gezeichnetes eindringen kann in die Welt der Foto-Wirklichkeit. Zugleich wird die Vorstellung, dass eine Wolke zu luftigen Brötchen verarbeitet werden könne und diese nach dem Verzehr auch noch zum eigenen Fliegen verhelfen können, fotorealistisch in Szene gesetzt.

 

Auf der Liste zum LesePeter Dezember 2009.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en