Monika Spang & Jörg Mühle:
Zottelbock

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2009
www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0584-7
32 Seiten * 13,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

 

Köstliche, etwas einfältige Forscher mit den fast „sprechenden“ Namen Professor Leuchtarm, Faltpinsel & Löffelweis treffen auf den merkwürdig geduldigen Yeti, den Professor Leuchtarm mit dem Namen „Zottelbock“ belegt. Obwohl der Yeti gut drei Mal so groß ist wie der längste der Professoren, lässt er fast alles mit sich machen. Gleichzeitig werden alle Handlungen des Yeti sofort „Kult“, und alle draußen im Lande machen es nach.

Wer untersucht hier wen?

Herrliche Bilder! Prof. Leuchtarm durchpflügt die Schneelandschaft im Hochgebirge, Eiszapfen an der Nase und beschlagene runde Brille, immer auf der Suche nach dem Yeti, den noch nie jemand sah und der dennoch existieren soll. Und tatsächlich! Gerade als Prof. Leuchtarm aufgeben wollte, steht er vor ihm, mehr als drei Mal so groß, aber lieb und gefügig, lässt sich auch noch in die Kiste packen, damit der Professor ihn nach Hause transportieren kann.
DIE Sensation – zunächst nur im Expertenkreis Leuchtarm, Faltpinsel und Löffelweis – wird sorgfältig vermessen, gebadet, die Zottel geschnitten. Alles lässt der Yeti mit sich machen. Dann wird die Öffentlichkeit eingeweiht, und sofort ist Yeti Zottelbock auch hier DIE Sensation, wird sogar zum Trendsetter. Weil ihm ohne die Zotteln am Kopf kalt wird, schneidet sich Yeti einen Kürbis als Hutersatz, was auch sofort in den Zeitungen steht und sofort zum Nachmachen animiert. Ruckzuck sind alle Kürbisse ausverkauft. Ebenso geht es mit den beiden Besenstöcken und der Banane als Gesprächspartner.

Am Schluss weiß niemand genau, wer nun eigentlich wen beobachtete, die Menschen den Yeti „Zottelbock“ oder der Yeti die „Nacktrosigen“. Das letzte Überbleibsel der Begegnung liegt jedenfalls jetzt auf der Hochebene des Himalajas, eine Bananenschale.

 

Eine ebenso witzige wie hintergründige Geschichte, die Monika Spang da erzählt, und ebenso hat sie Jörg Mühle zu Bilde gebracht. Sein Yeti ist öfter etwas zu groß für das querformatige Bild, der Kopf schaut dann gerade über den Rand hinaus. Statt Gesicht sieht man nur die Zotteln und stumpfe Zähne in einem freundlich lächelnden Mund, die Augen und die Stirn bleiben verborgen. Seine drei Professoren geben zugleich drei Typen an: Voll- oder Ziegenbart, Glatze, alle schon etwas älter, vollgewichtig oder sehr hager. Ihre Methoden überzeugen den Yeti überhaupt nicht, der hat auf einem der letzten Bilder aus Langeweile schon mal Unfung angestellt, die Tapete bekritzelt, den Hammer und einige Nägel in die Wand geschlagen, eine Schallplatte (Single, Elvis) achtlos auf den Boden geworfen wie diverse andere Dinge von einer Säge bis zu einer Spielekonsole, Schach- bzw. Damebrett, eine Wurst und so weiter. Der heranstürmenden, neugierigen Meute schaut er zunächst befremdlich entgegen (er beobachtete doch gerade den Schmetterling auf seiner Hand), kann ihr dann entfliehen, weil die drei Professoren sich fast todesmutig dazwischen werfen.

 

Vielleicht entdecken wir uns wieder – oder wir ertappen uns dabei, dass wir nicht gelassen wie der Yeti sind, sondern eher hektisch irgendwelchen Trends hinterher laufen. Dann ist es gut, das Buch in der Nähe zu haben, um noch einmal nachzuschauen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en