Imke Sönnichsen & Elisabeth Liddle:
Das ist so ungerecht!

Aus dem Englischen von Christof Stählin

Stuttgart: Gabriel bei Thienemann 2009

www.gabriel-verlag.de

ISBN 978-3-522-30133-6
32 Seiten * 12,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

Gerechtigkeit ist ein Wert in unserer Gesellschaft, der vor allem in der Kindheit einen ganz hohen Stellenwert hat. Schon früh schulen die Kinder in Konflikten ihr Empfinden, was (in ihren Augen) je gerecht ist. Sophie, Max und Paul klären das Prinzip „Gerechtigkeit“ am Nordseestrand, wobei letztlich die Natur in Form der Flut Recht behält und alle drei sich wieder zusammenfinden können.

Akzeptanz und Gerechtigkeit

Der Verlag schreibt, dass er mit diesem Buch eine neue Reihe zu „Lebensfragen“ eröffnet. Warum haben wir die Werte, die wir haben? Und sind sie auch für Kinder tauglich und wenn ja, wie? So einfach ist das nämlich nicht.

Jedes Kind will eine Sandburg bauen. Zunächst gilt für Sophie, Max und Paul, dass die Größe der Schaufel dem Alter des Kindes entspricht. Nach einiger Zeit der Arbeit stellt Paul, der deutlich Kleinste, dieses Prinzip infrage. Er argumentiert, dass derjenige die größte Schaufel benutzen darf, der den größten Kreis für die Sandburg gezogen hat, egal wie sinnvoll die Linie war. Die beiden anderen überlegen kurz und gestehen ihm, wenigstens für einige Zeit, das größte Werkzeug zu. Aber nutzt Paul nun die Chance? Nicht im geringsten! Er träumt vor sich hin, fängt stattdessen einen Krebs und baut überhaupt nicht weiter an seiner Burg. Ist es nun gerecht, wenn die Schaufelfrage erneut gestellt wird?

Es gibt keine einfachen Antworten, das wird im Bilderbuch schnell klar. Die beiden größeren Kinder nehmen deutlich Rücksicht auf den kleinen Paul, schließen sich seinen Argumenten freundlicherweise an. Sie hätten auch auf ihr Alter und ihre Kräfte pochen können, machten sie aber nicht. Am interessantesten ist die Rolle des Mittelkinds, das sowohl nach oben als auch nach unten konfliktlösend wirken muss – und es auch gut tut.

Zum Schluss arbeiten übrigens, Gerechtigkeit hin, Gerechtigkeit her, alle zusammen an ein- und demselben Projekt, über das die Natur letztlich den Mantel der Gleichbehandlung deckt.

Imke Sönnichsens Bilder sind durch das Gelb des Strands, das Blau des Himmels mit den wenigen weißen Wolken und das Blaugrün des ruhigen Meeres gekennzeichnet. In diese Welt stellt sie das Mädchen Sophie und den knapp jüngeren Max. Ganz zu Beginn stehen diese beiden ganz allein auf der rechten der Doppelseite vor dem Meer und dem weiten Himmel, schauen in die Tiefe und halten je Paul zwischen ihnen an den Händen. Da ist die Welt ganz in Ordnung.

Zum Schluss sieht man diese Drei auf dem engen Holzbalkon des Hauses am Strand, wie sie den Sonnenuntergang anschauen und den flachen Strand – alle Sandburgen hat sie genommen, die Flut, „gleich gemacht“. Das ist ziemlich gerecht. Finden auch die drei Kinder.

Eine schöne einfache Geschichte, die dennoch die Komplexität des Themas „Gerechtigkeit“ an einfachen Beispielen aufzeigt.

 

Unausgesprochen bleiben dagegen die Themen „Akzeptanz“, „Nachsicht“ und „Liebe“, denn ohne diese Werte, das schrieb schon Paulus in der Bibel, können die anderen Werte nicht gelingen.

Sehr zu empfehlen – nicht erst, wenn das Thema Gerechtigkeit auf dem Plan steht, denn solche Themen dürfen/müssen zuvor durchaus theoretisch in einer (Bilderbuch-) Geschichte durchgespielt werden.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en