Peter Turrini & Verena Ballhaus:
Was macht man, wenn …

Ratschläge für den kleinen Mann
Wien: Anette Betz 2009

www.annettebetz.com

ISBN 978-3-219-11402-7
32 Seiten * 14,95 € * ab 05 Jahre

 

 

 

 

 

Der Humor erschließt sich nicht gleich, denn es ist auch viel Bedenkenswertes in den Ratschlägen. Turrini entwirft Situationen aus dem Alltag und mischt einige mit Absurdem, um dann Lösungen anzubieten, die nicht ganz so absurd sind. Gänzlich von dem Absurden befreit, sind die Vorschläge sogar versuchenswert.

Wie man doch noch gewinnen kann

Jedem „Was macht man, wenn …“ folgt sofort noch ein „wenn“ und dann ein Text, beides in deutlich anderer Schrift. Die eigentliche Antwort auf die Frage ist in sehr magerer Schrift geschrieben, die an den Typus „Alte Schreibmaschine“ erinnert. Das Querformat gaukelt einem ein Bilderbuch vor, das es aber nur sehr bedingt ist, auch wenn Verena Ballhaus mit vielen kleinen Einwürfen Buntes beisteuert und die Geschichten sehr schöne Gedankenbilder entwerfen oder Mut machen, auf dass wir sie uns denken.

Du wirst angesprochen. Dir passiert etwas.
Ein Erwachsener schimpft dich Blödmann. Dann „bleib ganz ruhig. Kränke dich nicht und lauf auch nicht zur Mami.“ Der Rat heißt: „Schau … [dem Menschen] in die Augen und sage mit ruhiger und fester Stimme: ‚Sie irren, mein Herr.’“ Das klingt nicht besonders aufregend, aber einen Versuch ist es allemal wert, das wirklich auszuprobieren, vor allem mit den Zusatz-Hinweisen, WIE gesprochen werden muss.

In einer anderen Situation wird die Nachbarstochter am Gartenzaun in den Mittelpunkt gestellt, dann wieder Soldaten auf dem Dach, grausliches Essen bei einer Einladung, die Begegnung mit einem Löwen.

Einige Fragen wie Antworten sind sehr ernsthafter Natur, auch wenn sie mit hintergründigem Humor und merkwürdigen Assoziationen erzählt werden. Andere sind einfach geprägt von Fabulierlust, und dann spielt es auch keine Rolle, dass man gar nicht die fünfte Folge von ‚Star Wars’ auf DVD hat, geschweige denn ‚Asterix bei den Briten’.

 

Verena Ballhaus steuert kleine Bilder bei, die diesen versteckten Sinn oft aufgreifen. Dabei sind sie so bescheiden, dass man sie beim (ersten) Eigenlesen gar nicht so recht wahrnimmt. Aus dem Schweizer Messer macht sie einen rennenden Menschen oder später, versteckt, einen marschierenden Soldaten, aus einer Fahrradkette werden die spitzen Zähne eines Löwen und das Vorderrad wird immer größer werden, denn es wickelt eine Wurstkette auf.

 

Ein sehr schönes und dazu noch lehrreiches Buch, das allerdings seinen Charme ein bisschen versteckt. Umso wichtiger, dass wir hier mal darüber gesprochen haben.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en