Frieda Wishinsky & Marie-Louise Gay
Bitte, Luise!

Aus dem Englischen von Christiane Thielmann

München: Hanser 2009

www.hanser.de

ISBN 978-3-446-23382-9
32 Seiten * 12,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Wenn man Jakob fragen würde, ob er seine Schwester Luise mag, dann würde er ganz sicher und spontan „Ja! Selbstverständlich!“ antworten. Im Alltag aber sieht das manchmal ganz anders aus, da nervt Luise nur, dass man sie am liebsten ganz weit weg wünscht. Falls das aber tatsächlich passieren sollte …, Jakob ist jedenfalls ziemlich fertig, als Luise verschwunden bleibt.

Geschwister nerven

Und Jakob ist ziemlich erleichtert, als sein kleiner Quälgeist wohlbehalten und glücklich und sehr zufrieden wieder auftaucht.
Bevor es so weit ist, sehen wir, wie sehr Luise nerven kann. Jakob sortiert seine Briefmarken, Luise kommt mit Wind und viel Trara herein, wirbelt in seinem Zimmer herum, benutzt seine Spielsachen, tanzt auf seinem Bett. Jakob droht, dass er verschwinden wird, wenn sie nicht geht. Ich „ändere meinen Namen“, damit du mich nicht mehr findest. „Egal … ich erkenn dich am Gesicht!“ antwortet Luise ihm. „Dann trag ich eine Maske“ entgegnet der wiederum, und Luise argumentiert: „Du bleibst trotzdem mein Bruder … das kannst du nicht ändern.“ Dagegen gibt es keine Argumente, dagegen muss man rabiat werden und die kleine Schwester spätestens nach noch einigen Attacken dieser Art verwünschen: „Ich wünsche, sie wäre ein Hund, dachte er.“ Und dann ist Luise weg, fort, nervt nicht mehr, fordert aber dafür ganz viel Sorge heraus.

Jakob wie Luise haben ganz wuschiges Haar, er braunrotes, die etwa einen halben Kopf kleinere Schwester hat gelbrotes. Jakob ist eigentlich eher introvertiert, hält seine Fußspitzen eher nach innen, möchte sich um seine Hobbys kümmern, lesen, Briefmarken einsortieren, dösen, Schlagzeug spielen oder Domino, sich um seinen Fisch kümmern. (Anmerkung: Man hält keine Fische im runden Glas, schon gar nicht ohne Pflanze und Untergrund.)
Der Text ist der Illustratorin Marie-Louise Gay gewidmet, die „ihrer“ Louise ganz andere Bedürfnisse mitgibt, sie in „schnelle“ Aquarelle stellt, quirrlig, immer in Bewegung, immer blass, immer Neues im Kopf, keinen Moment Pause. Da fliegen selbst die Gegenstände in Jakobs Zimmer fast wie von allein durch die Gegend, da muss Luise sich nicht erst an die Deckenlampe hängen oder in eine Flüstertüte schreien. Dass beide dennoch Geschwister sind, zeichnet sie ein ums andere Mal, indem sie ihnen einen identischen Gesichtsausdruck gibt, selbst wenn der eine Mund breit ist und nach unten, der andere leicht nach oben gezogen ist.

Eine schöne Geschichte mit kleiner Moral, in ebensolche Bilder gestellt. Blut ist eben doch dicker als Wasser. Geschwister werden sich beim Lesen wiederfinden.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en