Jen Green:
Ägypten

Aus dem Englischen von Wolfgang Hensel

Ravensburg:
Ravensburger 2009

www.ravensburger.de

ISBN 978-3-473-55234-4
28 Seiten * 17,50 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Ein sehr aufwendig gestaltetes Sachbuch mit vielen Pop-ups, Klappen, Ziehbildern, Durchschaulöchern und Ausklappseiten. Es handelt sich hauptsächlich um Howard Carter und seine Entdeckung von Tutanchamuns Grab im Tal der Könige. Daneben erfahren wir von der Nil“oase“, dem Leben im Alltag der Ägypter, der Frauenrolle, der ägyptischen Hieroglyphen-Schrift und dem Glauben. Sehr empfehlenswert.

Hochkultur

Die Grundfarbe des Buchs ist schwarz, die Schrift dementsprechend weiß. Es gibt viele kurze Absätze im Flattersatz, die sich zum Teil den Bildern oder Einschüben anpassen. Die Pop-Ups sind sehr stabil, was wohl auch daran liegt, dass sie sich in mehreren Lagen öffnen – ganz so, wie sich das Grab des Tutanchamun in mehreren Lagen fand – sowohl die Kammern als auch der eigentliche Sarkophag.

 Das Grabmal im Tal der Könige war noch nicht von Grabräubern geplündert. Dementsprechend fand man viele Beigaben, die den mumifizierten König auf seiner „Reise ins Jenseits“ begleiten und beschützen sollten. Allein über 400 Uschebtis – das sind kleine Puppen, die ihm als Diener das „Leben“ vereinfachen sollten – wurden gefunden, daneben viel Schmuck, Waffen, Modelle von Streitwagen. Wächter in Lebegröße bewachten die eigentliche Grabkammer, viele Hinweise auf die Existenz und Anbetung der verschiedenen Götter bieten die Beigaben und die berühmte Totenmaske.

 Man hatte genau 70 Tage Zeit, um den Leichnam des Pharao für das Begräbnis vorzubereiten. Dazu gehörte die Mumifizierung (das Gehirn galt als nicht besonders wichtig und musste mit Hilfe eines langen Hakens durch die Nase entfernt werden), die Fahrt auf dem Nil, einige Zeremonien, wobei die „Öffnung des Mundes“ die wichtigste war, denn nur so konnte der Pharao auch im Jenseits Nahrung zu sich nehmen und weiterleben.

 Nachdem die Suche nach dem Grab, das Finden, Öffnen und Kartieren ausführlich dargestellt wurden, bleibt noch Platz im Buch, um andere Aspekte der ägyptischen Hochkultur zu beleuchten. So erhält die Frage der Frauenrolle immerhin eine ganze Doppelseite, in der Mitte die Abbildung von Nofretete, daneben Texte zu Hatschepsut und Kleopatra. Nicht verwunderlich ist, dass Frauen an der politischen Spitze damals im wesentlichen nur als Mutter oder Ehefrau in Erscheinung traten, einige dort allerdings die Rolle in den Übergangsphasen so gut ausfüllten, dass sie in den Abbildern sogar mit dem typischen Bart gezeigt wurden.

Andere Aspekte bieten das Alltagsleben oder die Rolle des Schiffs. Immerhin haben wir es mit einem Lebensraum zu tun, der sehr schmal und dafür ziemlich lang ist. Mit Recht wird der Nil und seine Bedeutung für den Menschen inmitten der Wüste gleich zu Beginn genauer beschrieben und bebildert.

 Besonders betont werden muss die große Haltbarkeit der Pop-Ups. Die ist überhaupt nicht selbstverständlich, hakelt oder öffnet sich meist nicht leicht und nicht selbstverständlich oder wird nach wenigen Öffnungen defekt. Nichts davon in diesem Buch, ein Kompliment für die Hersteller!

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en