Tomi Ungerer:
Der Hut

Aus dem Amerikanischen von Claudia Schmölders
Zürich: Diogenes 2009
Wiederauflage von 1972

www.diogenes.ch

ISBN 978-3-257-00540-0.
32 Seiten * 16,90 * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Manchmal trifft das Glück die richtigen Menschen. Und wenn die dann auch noch abgeben können, gibt es eine neue Chance, dass das Glück die richtigen trifft. Hier erscheint das Glück in Form eines Zylinders mit magentafarbener Schleife. Der glückliche ist ein ehemaliger Soldat mit nur einem Bein, und der darf mithilfe des Hutes viel Gutes tun, dabei aber auch reich, glücklich werden und großzügig bleiben.

Reich und schön und glücklich

Ein „altes Buch“, das auch nach fast 40 Jahren absolut NICHTS von seiner Botschaft und von seiner Angenommenheit eingebüßt hat. Tomi Ungerer schrieb und zeichnete eine Reihe von sensationellen Bilderbüchern in seiner USA-Zeit. Der Hut gehört dazu. Wenn man die Geschichte reduziert, so klingt sie absolut banal, denn es handelt sich um einen vom Leben Gebeutelten, dem es sehr schlecht geht, der dennoch nicht klagt. Gerade ihm, dem Veteran, dem abgehalfterten ehemaligen Soldaten mit den Gehstützen und dem Holzbein widerfährt etwas Unglaubliches: Ihm fliegt ein Hut, ein Zylinder zu. Das allein wäre noch nicht sehr aufregend, aber der Hut kann sich bewegen, entweder von selbst oder aber, weil sein Besitzer es möchte.
So rettet er zunächst einen reichen Touristen vor dem sicheren Tod (Blumentopf von oben!), fängt das Schopfhuhn Esmeralda für den Zoo wieder ein, fängt ein paar Räuber (rettet diesen das Leben, erspart ihnen aber nicht die Gefangenschaft), rettet das Baby vor dem sicheren Feuertod und vor allem die Prinzessin, die hilflos in ihrer Kutsche dem durchgehenden Pferd ausgeliefert ist. Man ahnt es schon, dass der Lohn nicht nur Geld ist und Reichtum, sondern auch die Liebe. Als reicht das noch nicht, darf sich die Geschichte wiederholen. Wahrscheinlich. Doch, wir sind uns da ziemlich sicher, oder?

Herrliche Bilder, die sich Ungerer schon 1970 leistete! Hässliche Menschen leistet er sich, die aber ganz sympathisch sind. Weiße Augen mit schwarzem Punkt und schwarzer Umrandung, meist etwas dicklich (um nicht „fett“ zusagen), die Männer oft mit Bart oder Bärtchen, Honoratioren mit Stehkragen, Krawatte oder Flieg, unser Veteran die ganze Zeit seines Wechsel vom „armen Schlucker“ zum „generösen Reichen“ sehr sympathisch und gemütlich mit seinem Vollbart. Das Militär und die Polizei kommt nicht ganz so gut weg und die Räuber auch nicht, die anderen aber mögen wir sofort, sei es weil, sei es obwohl sie oft ungeschickt sind und/oder ihnen kleine Unglücke leicht abseits der Haupthandlung zustoßen.

Tolle Botschaft, toll gemalt, toll erzählt. Ein echter Klassiker, den wir uns auch in den nächsten 39 Jahren noch gern anschauen oder weitergeben für eben dieses.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en