Helen Güdel:
Apollo, das Maultier

Eine Geschichte aus den Bergen

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2009

www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0576-2
32 Seiten * 13,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Maultiere sind zeugungsunfähig, sehr genügsam, stark, folgsam. Aber der alte Apollo mag nicht mehr arbeiten, seit sein Freund nicht mehr da ist. Der Esel Fredy ist gestorben, und damit kann Apollo nichts anfangen. „Er versinkt in Apathie“, würden wir bei einem Menschen sagen. Doch das Leben hat noch viel vor mit dem alten Apollo.

Wie ein Maultier zu einer Familie kam

Maultiere dien(t)en in unwegsamen Gelände als Transport- und Lastentier, brachten zusammen mit ihrem Säumer (Führer) auch wohl Gäste ins hoch gelegene Hotel oder Dachbalken zur alten Scheune. Apollo hat zusammen mit Bruno gesäumt, und immer begleitete übermütig der Esel Fredy die beiden bei der Arbeit, stand mit Apollo zusammen auf der Alm oder im Winter gemeinsam im Stall. Nun hat das Leben für das Maultier keinen Sinn mehr, Fredy ist weg und kommt nicht mehr. Dem alten Bauern bricht fast das Herz, dieses Elend mit ansehen zu müssen, und als er in einer Anzeige liest, dass eine Eselin zu verkaufen sei, kennt er die Lösung.
Dabei ist es nicht so einfach wie gedacht, denn der Transport aus dem nächsten Tal über den Tunnelzug und dem Lastwagen vom Freund ist während des Winters ausgesprochen schwierig. Natürlich ist Fredy nicht zu ersetzen, aber ein erstes Schnuppern zeigt, dass dies der Beginn einer neuen Freundschaft werden könnte. Und mehr noch! Vom Verkäufer und Käufer unbemerkt: Die Eselin Camina ist schwanger!

 Eine schöne kleine Geschichte über das Altwerden, zu dem auch das Sterben von Freunden gehört. Aber auch eine Geschichte davon, dass niemand zu alt ist, um noch einmal neue Freuden und Freunde kennenzulernen. Dazu noch eine wahre Geschichte. Vom Bauern Bruno erfahren wir wenig, er lebt offensichtlich allein, hat aber zumindest zwei Freunde, die ihm helfen, wenn er Hilfe braucht.

 

Hilde Güdel zeichnet und malt die karge Landschaft, in der das Überleben nicht immer einfach ist. Tier und Mensch im Tal der schneebedeckten Bergketten im Hintergrund sind wortkarg, auch die Geschichte braucht nicht viele Worte. Immer gibt es etwas zu tun, täglich macht Bruno seinen Rundgang. Wer immer viel arbeitete, kann auch im Alter nicht die rauen Hände in den Schoss legen. So wie die Worte und die Landschaft, so auch die Einrichtung in der Stube und erst recht im Stall. Das wenige Stroh müssen sich Maultier, Esel und Schafbock teilen. Eine Bürste, eine Heugabel, ein Eimer, eine Gaslampe am Haken von der Decke, die Katze kommt mit ins Warme.
Die Liebe zu dieser Gegend, zu den Tieren und vor allem auch zu den Menschen ist deutlich zu spüren in den Bildern, die offensichtlich nach der Wirklichkeit gemalt sind.
Auch, oder vielleicht gerade wenn man selbst nicht aus dieser Gegend stammt, vermittelt die Geschichte und deren Bilder eine schöne Sehnsucht dorthin.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en