Daniel Frescher & Eduard Mörike:
Die Geschichte von der schönen Lau

Stuttgart: Urachhaus 2009

www.geistesleben.com

ISBN 978-3-8251-7641-9
32 Seiten * 14,50 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Die Geschichte von der verstoßenen Wasserfrau, die ihrem Mann bisher nur tote Kinder gebar. Das soll sich erst ändern, wenn sie fünf Mal herzlich gelacht haben wird, aber das ist bei dieser zutiefst traurigen obgleich sehr schönen Frau wohl nicht zu erwarten.

schön und traurig

Zum leicht (von Frank Berger) bearbeiteten Text hat Daniel Frescher wunderbare „romantische“ Bilder geschaffen. In Anlehnung an den Jugendstil rahmen mehrfach figurative Darstellungen von Blüten, Ranken, Muschelschalen und Insekten die Bilder ein, enden in einer Glocke oder einer Libelle, geben dem Bild Halt oder beschweren es. Die Lau ist in der Tat „schön“ in unserem Sinn, trägt wallende Gewänder, ist offensichtlich schlank, hat schwarze lange Haare, Blüten und Kränze schmücken sie. Die Grundstimmung der Bilder ist Blau-Grün, wenn wir an Land sind allerdings eher Orange-Gelb.

Wir sind in Blaubeuren. Dort gibt es der Geschichte nach einen Teich, den Blautopf. Genau dort hin hat der Donaunix aus dem Schwarzen Meer sie verbannt, da sie ihm nur tote Kinder gebar. Die Weissagung, die jedes Jahr ob der Erfüllung überprüft wird, heißt: Sie muss fünf Mal aus vollem Herzen gelacht haben. Dann wird alles gut werden. Mörike schmückt seine Geschichte ein bisschen aus, indem er einen frechen Hirtenjungen einstreut und ein Blei-Lot, zur Moral der Geschichte trägt das allerdings wenig bei.
Dagegen ist die fast selbstverständliche Aufnahme der schönen Lau in die Familie des Gasthauses „Nonnenhof“ eine Zäsur in der Geschichte, die mit entsprechendem Farbwechsel begleitet wird. Hier wird – egal wie groß die Arbeit ist – gelacht und getan, Mutter mit zwei Söhnen und zwei Töchtern sorgen sich um das Wohl der Gäste und der Familie. Man sitzt zusammen, man redet miteinander, lacht, freut sich, arbeitet.

Das bleibt nicht ohne Folgen, denn Lachen ist ansteckend und es führt – hier jedenfalls – zu einem schönen Ende.

Bösartige werden den Bildern Kitsch vorwerfen, aber sie nehmen die nicht ganz leichte Geschichte einfach ernst. Unter Wasser entstehen halt Luftblasen, die wie Perlen nach oben drängen und glitzernde Punkte in dem Blaugrün bilden. Und dass auch Delphin, Seepferdchen, Hummer und Seestern zum Schluss mitspielen dürfen wie die Quallen – wenn doch der König selbst anreist!

Eine sehr interessante Licht-Dunkelheit-Komposition gelingt Daniela Drescher, der in die Bilder integrierte und weiß-gedruckte Text gehört genau in diese Fantasiewelt hinein, auch wenn diese Nixe einfach zwei Beine hat wie jeder andere Mensch auch.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en