Gérard Moncomble & Paweł Pawlak:
Die Katze, die mit dem Schwanz wedelte

Aus dem Französischen von Alexander Potyke

Wien: Picus 2009

www.picus.at

ISBN 978-3-85452-146-4
40 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Völlig abwegig! würden unsere Kinder vielleicht sagen. Da wollen tatsächlich welche UNBEDINGT in die Schule. Erst ist es eine Katze, die in eine Schule „nur für Hunde“ will, dann wollen auch noch „alle“ Tiere in diese Schule. Und alle kommen, um etwas zu lernen, etwas zu wissen, was sie vorher nicht kannten. „Ich will das auch können / wissen“ ist bestimmt kein schlechter Satz.

Schule

Zunächst einmal ist es nicht fair, dass bestimmte Gruppen von Bildung ausgeschlossen werden. In Zeiten, da in bestimmten Gegenden der Welt Mädchen von Rechten, vor allem von Bildung ferngehalten werden, ist dies Buch über eine Katze, die auch in die (Hunde-) Schule gehen will, unbedingt wichtig.
Auf den Buchdeckel-Innenseiten sehen wir eine Katze, die versucht, wie ein Rüde das Bein zu heben. Das bereitet Mühe, uns Vergnügen, deutet aber den kommenden Konflikt mehr als an. Offensichtlich will diese Katze ein Hund sein.
Dabei stimmt das gar nicht. Lucy, die Katze, möchte gar kein Hund sein, sie möchte Bildung haben. Da aber nur Hunde Bildung erlangen, verkleidet sie sich so als Hund, dass nicht einmal der Nachbarshund Pogo sie erkennt. Schulstoff ist: Geographie – Hunde von A bis Z – Schwanzwedeln – wichtige Hundeformeln (gemeint ist die Geschwindigkeit, mit der ein Markierungsstrahl vom Ausgang zum Markierungsort gelangt) – Schulmuseum und – und hier wird es schwierig für unsere Katze Lucy genannt Rocky – Katzenjagen.

Texter und Illustrator arbeiten eng zusammen, lassen sich gegenseitig Platz und geben dem Text ein Bild und den Bildern textliche Erklärungen.
Die Bilder sind besonders, denn sie bestehen im Wesentlichen aus Collagen. Die Figuren sind zusammengesetzt aus Papier, aufgeklebter Busen für die Lehrerin, mit Büroklammer festgehaltener Zusatz, mit schwarzem Filzstift ergänzende Linien. Wir sehen deutlich, dass die Katze sich eine Papp-Maske vor das Gesicht band. Die anderen scheinen blind dagegen zu sein. Pawlak klebt und schneidet und verschiebt die Figuren, die im Lauf der Geschichte immer wirklicher werden.

 

Erst als es darum geht, dass jemand hinaufklettert, offenbart sich die Geschicklichkeit der Katze. Damit rettet sie allerdings das Leben von allen, die im Schulbus abstürzten. Jetzt darf jeder der sein, der er ist. – Und merkwürdig: Nach kurzer Verwirrung erkennen alle, dass Hund und Katze NICHT NATURGEMÄß Gegner sein müssen. Man darf sich durchaus mögen, ja, sogar schätzen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en