Einar Turkowski:
Die Mondblume

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2009

www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0579-3
32 Seiten * 17,90 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Merkwürdig. Ungewöhnlich. Was meint er mit …? Was soll … bedeuten? Einar Turkowski bleibt sich treu. Seine Bleistiftbilder sind geheimnisvoll, ungewöhnlich, öffnen genau so viel wie sie andeuten. Neben der Illustration treten immer andere „Dinge“ ins Bild, die meist nicht zuzuordnen sind. Linien, kleine mit Zahlen oder Buchstaben bedruckte Schilder, Tiere, als wären sie aus Metall nachgebaut. Da bleibt die klein gedruckte Geschichte deutlich hinter den Bildern zurück.

Meister des Bleistifts

Er erhielt mit „Es war finster und merkwürdig still“ den LesePeter der AJum und später noch viele andere Preise und schuf mit seinen Bleistiftzeichnungen einen neuen Stil in der Welt der Bilderbücher. Mutig und wild, jung, ungewöhnlich. Nun hat Turkowski ein neues Buch gezeichnet und geschrieben, und es führt genau diesen Stil fort. Der Verlag erläutert dankenswerterweise in einem Anhang das Schaffen von Turkowski bis jetzt – und erklärt anschließend, wie dieser junge Mann arbeitet.
Das ist fast spannender als die vorliegende Geschichte, die allerdings nun einmal unumgänglich ist, auch für ein Bilderbuch. Turkowski zeichnet ausschließlich mit Bleistift, Stärke HB, normal also, ein Stift den du benutzt und ich. Es wird erklärt, wie er zu tiefschwarzer Farbe kommt, ob und wie er wischt, dass er einen besonderen Anspitzer benutzt, zwei Radierer, die jedoch nur sehr sparsam eingesetzt werden können.

Für die Geschichte ist das nicht sehr interessant, für die Betrachtung der Bilder aus der Sicht der Erwachsenen oder Heranwachsenden aber keinesfalls. Der wundert sich ein ums andere Mal, was diesem Menschen einfällt, um eine alltägliche Szenerie zu einer besonderen zu machen.

Das Buch gefällt auch den Kindern, denen es von Erwachsenen als gut empfohlen wird. Selbst dann muss der Erwachsene aber sich selbst mit einbringen, denn leider hat dieses Buch einen „Haken“. Die Geschichte macht zwar zu Beginn neugierig, aber sie hat wenig Substanz. Eine Pflanze, die nur zur Vollmondzeit blüht ist zwar ungewöhnlich, aber sie trägt leider nicht, was die ausgesprochen tollen Bilder versprechen.

Ein schwieriger Moment für jemanden, dessen „alte Arbeiten“ gelobt wurden und dessen Bilder nach wie vor dieser hohen Erwartung standhalten. Was fehlt, ist leider die Geschichte. Vielleicht sollte der Verlag einen Geschichtenerzähler mit Turkowski zusammen bringen, es wäre schade um die vielen tollen verlorenen Bilder, die bestimmt in seinem Kopf und in seinen Händen liegen.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en