Brigitte Endres & Marc-Alexander Schulze:
Mein Freund das Krokodil

mit Hörbuch, aus dem Internet als mp3 herunterzuladen

Zürich: NordSüd 2009

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-01614-1
28 Seiten * 12,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Lass dir nicht alles gefallen. Wehr dich. Sei stark. Am besten wäre es, wenn man einen starken Freund hat, der einen beschützt vor Ben und Leo vom Spielplatz. Toni findet einen neuen Freund, und mithilfe seines Krokodils wird auch er selbst stark und kann seine Zähne zeigen. Ja, wenn es so einfach wäre.

Sich wehren

Toni ist Stadtkind und wohnt in einem Mietshaus. Da das Wetter schön ist, schickt ihn seine Mutter auf den Spielplatz, aber Toni will nicht. Denn der Spielplatz ist bei ihm negativ besetzt. Das liegt an Ben und Leo, die ihn immer ärgern. Da sie zugleich beide „größer und stärker“ sind als er, hat Mutter gut Reden. Er soll sich nichts gefallen lassen, den beiden die Zähne zeigen.
Und schwupps, unter der letzten Treppe trifft Toni auf ein riesiges Krokodil, das ihm mal zeigt, wie man die Zähne zeigt! Gottseidank reagiert das Krokodil nicht nur auf Pfefferminz-Bonbons, sondern es wird auch noch gleich Tonis Freund. Da benehmen sich der Hausmeister, alle Menschen auf dem Bürgersteig und vor allem Ben und Leo gleich ganz anders Toni gegenüber. Siehst du, es geht doch.

 

Der Text hält sich zugunsten der Bilder sehr zurück. Toni wird als Kind im Kindergartenalter dargestellt, die Oberlider fallen ihm ein wenig in die Augen. Als er wütend ist, sind seine Wangen ganz rot und sein Mund ganz klein, die kurzen blonden Haare sind kaum zu bändigen. Sein Krokodil scheint echt zu sein, jedenfalls nimmt es bei Anwesenheit den Großteil des Bildes ein: ganz roter Schlund als Komplementär zum grünen Körper, spitze Zähne, die zu je drei Mal nach oben mal nach unten aus dem geschossenen Maul schauen.
Die Bilder zeigen Toni mit echtem Krokodil, der knurrende Hund knurrt noch den kleinen Toni an, der aber gar nicht mehr ängstlich ist, denn direkt hinter ihm hat sich das Krokodil aufgerichtet – und es ist mehr als dreimal so hoch wie Toni.

Mit diesem starken Freund hinter sich wird Toni selbst schnell so stark, dass er das Tier auch wieder in seine Heimat ziehen lassen kann.

 

Die Botschaft ist klar, aber sie unterscheidet sich kaum vom platten Ratschlag der Mutter. Sich nichts gefallen lassen. Die Zähne zeigen. Als ob das so einfach wäre. Und auch wenn das im Bilderbuch klappt, die Wirklichkeit dürfte Toni beim ersten Besuch des Spielplatzes eingeholt haben. Ben und Leo kennen ihre neue Rolle noch nicht und auch nicht dies Bilderbuch. Der reale Toni wird keine Hilfe im Bilderbuch-Toni finden.

 

Grundsätzlich eine gute Idee liefert der Verlag, das Buch mit einem Code hinter einem Aufkleber zu versehen. Dieser ermöglicht den Download des gesprochenen Textes als mp3-Datei.
In diesem Fall hieße das dann aber: Jetzt muss Mutti nicht nur nicht mehr mit auf den Spielplatz, sie muss auch nicht mal mehr vorlesen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en