Wilhelm Hauff & Mario Grasso:
Die schönsten Märchen von Wilhelm Hauff

Oldenburg: Lappan 2009

www.lappan.de

ISBN 978-3-8303-1140-9
152 Seiten * 19,95 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

 

Man muss gar nicht zurückgehen in das frühe 19. Jahrhundert. Auch heute noch streben die Menschen nach Geld und mehr Geld und vergessen, dass es andere Dinge sind, die das Leben lebenswert machen. Ein steinernes Herz hat noch niemanden glücklich gemacht. Wilhelm Hauff wurde nur 25 Jahre alt, aber seine Botschaften sind die eines alten, erfahrenen Mannes. Schön, dass er nicht in Vergessenheit gerät.

Muck, Storch, steinernes Herz

Ein wenig dick aufgetragen sind die Botschaften schon, wir würden heute sagen, der Autor pädagogisiert. Deswegen sind sie aber nicht weniger wahr.
Wie viele Märchen zu dieser Zeit siedelte auch Hauff zunächst seine Orte im Nahen Orient an, dort, wo man fabulierte, blumig sprach, wo aus lauter Exotik auch ein Teppich fliegen oder ein Fürst Storch sein konnte oder ein Mann in Zwergengestalt seine Rolle gegen alle Unbillen findet.

Das Hausbuch ist in drei Teile gegliedert, wobei die beiden ersten den Nahen Osten als Ort der Handlung finden, der dritte Teil den Schwarzwald. Dort trennt eine unsichtbare Linie die Welt der Glasbläser von der Welt der Waldarbeiter und Flößer, die ihre Ware bis nach Holland bringen. Diese Welt ist uns näher, ihre Versuchungen und die Wünsche, reich zu sein und begehrt, kennen wir alle. Da nehmen wir auch in Kauf, dass unser Herz  ausgetauscht wird durch einen Stein. So aktuell ist dies Märchen, dass es fast weh tut beim Lesen. Dem guten Geist, dem Glasmännlein, das mit Klugheit und Macht ausgestattet ist, will der junge Köhler nicht glauben, denn zu verlockend ist ihm die Welt der Tänzer und Spieler. Dort hinein führt ihn der Holländer-Michel. Gut, dass der dritte Wunsch nur dann erfüllt wird, wenn das Männlein selbst zustimmt. So kann es ein glückliches Ende geben. Und wir wissen auch wieder, das es dort, wo wir hingehören, schön und sinnvoll ist.

 

Ein Hausbuch im besten Sinn. Mario Grasso liefert zu jeder Geschichte eine Reihe von Bildern, alle realistisch, zum Teil in den Text eingefügt, zum Teil beanspruchen sie ein Rechteck oder gar eine ganze Seite. Er illustriert, veranschaulicht den Text, Textteile, sodass wir eine Ahnung gewinnen von den Bildern, die Hauff für uns im Text erfand: Die Metamorphose von Mensch zu Tier, die lange Nase im Gesicht mit den großen Ohren, Füße in viel zu großen Schuhen (auch das eine schöne Metapher, heute: „to stay in your shoes“) – niemals werden wir eingeengt in unserer Fantasie, obwohl, vielleicht ein bisschen schon. Für die Vorleser ist dies eine andere Art der Darstellung, für die Zuhörer ist es wohl die erste.

 

Einziger Nachteil dieser Märchen: Sie sind zu lang. Nein, nicht wenn man sie gelesen hat. Ja, wenn man Kinder vor sich sitzen hat, die vielleicht einen Gameboy besitzen, einen Nintendo, eine Wii. Die Konzentrationsfähigkeit der Kinder für Vorgelesenes nimmt stark ab, ein Märchen, das flüssig vorgelesen gut eine halbe Stunde benötigt, braucht vorlesegeübte Erwachsene und zuhörgeübte Kinder. Die aber finden wir leider nicht mehr als Selbstverständlichkeit vor. Für Kinder und Vorleser zu werben sollte unser aller Bestreben sein. Und wenn es an diesem Beispiel ist.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en