James Krüss & Ole Könnecke:
Der Sängerkrieg der Heidehasen

Hamburg: Carlsen 2009

www.carlsen.de

ISBN 978-3-551-51715-9
32 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Nach dem bekannten Theaterstück von James Krüss hat Ole Könnecke ein wunderbares Bilderbuch gestaltet, in dem die Akteure inmitten von Kulissen agieren. Zum diesjährigen Sängerwettstreit am „ersten Sonntag des Kraulemonats“ lobt König Lamprecht seine Tochter als Siegerpreis aus. Das ruft eine Intrige auf den Plan.

Meistersinger

Es ist der fesche Lodengrün, ein „prächtiger junger Hase“, der ganz sicher den ersten Preis gewinnen wird, wenn es nicht der Zufall will, dass er verschläft. Zufällen kann man nachhelfen. Das weiß Direktor Wackelohr, der mit dem Minister für Hasengesang diese Intrige schmiedet. Ganz klar, dass das böse Vorhaben misslingt.

 

James Krüss hat ein niedliches Theaterstück geschrieben. Also schafft Könnecke in einer „wirklichen“ Landschaft mithilfe von Kulissen eine künstliche: Eine Sonne hängt in der Luft, eine weiße Ente neben einer weißen Wolke, die Bäume sind deutlich ausgesägt, die Akteure stehen auf Brettern, die einigen Menschen die Welt bedeuten. Dabei sind sie hier alle Hasen – in menschlicher Kleidung und ebensolchen Verhaltensweisen.
Den Helden der Geschichte zeichnet Könnecke besonders klein. Er trägt einen feschen flachen Strohhut, seine leicht abstehenden Ohren scheinen ihn fest auf seinem Kopf zu halten. Graue Jacke und helle Hose, weißes Hemd und rote Fliege – früher sagte man „Dandy“ zu solchen Menschen. Sie genießen das Leben, wissen sich zu benehmen und umgeben sich mit einem Hauch von Luxus. Freundlich ist der Kleine und belieb, kennt Gott und die Welt – und er kann singen, dass sogar seine Gegenspieler wissen, dass sie nicht gegen diese begnadete Stimme ankommen können.

Der König wird sowohl im Text als auch per Bild ein bisschen trottelig dargestellt, sein langer roter Mantel mit dem Pelzbesatz würde auch dem Weihnachtsmann gut stehen. Seine beiden Lakaien tragen eine Kasserolle auf dem Kopf, die die Ohren und sogar die Augen verdecken.

Der Humor kommt nicht zu kurz. Ein Kulissenhase, ausgesägte Gitarre und Kontrabass, vor Langeweile gähnende Lakaien, eine Prinzessin, die mehr als einen Kopf größer ist als der jugendliche Held, ein blauer Teppichläufer, der nahtlos in einen „wirklichen“ Fluss übergeht, das Wappen des Königs, das zwei gekreuzte Möhren (und keine Klingen) zeigt. Außerdem zitiert Könnecke gern auch berühmte Künstlerkollegen. Hier ist es zweifach Andy Wahrhol, an den er auf der inneren Buchdeckelseite eine Serie mit „Lamprechts Carrot Soup“ und auf einer Seite mit der Marylin (hier: Lodengrün) Siebdruck Serie erinnert. Aber auch die Venus von Milo mit abgeschlagenen Hasenohren wird zitiert und ein van Gogh mit nur einem Hasenohr, das andere ist wohl abgeschnitten, der Verband deutet auf Kürzlichkeit hin.

 

Eine tolle Geschichte, wunderbar erzählt und ungewöhnlich wie nachhaltig illustriert. Gut, dass sie nicht der Vergessenheit Preis gegeben wurde.

 

Auf der Auswahlliste zum LesePeter August 2009.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en