Hans Traxler:
Franz, der Junge, der ein Murmeltier sein wollte

München: Hanser 2009

www.hanser.de

ISBN 978-3-446-23328-7
40 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Franz wohnt im Fuxtal. Er geht wohl noch nicht zur Schule und hat unendlich viel Zeit. Die verbringt er seit Neustem auf der Murmeltierwiese. Da lebt auch Albert, der feststellt, dass sich der Adler nicht mehr sehen lässt, wenn Franz da ist. Von ihm scheint Gefahr auszugehen. Beide sitzen und kauen die Mohrrüben, „bis sie süß werden im Mund“. Doch dann kommt der Winter, Schnee – und Murmeltiere sind Winterschläfer.

Mensch und Tier

Es dauert vier Monate, bis sich der Junge und das Murmeltier soweit annähern, dass sie ziemlich eng nebeneinander sitzen, Verstecken spielen, durch die Beine schlüpfen, rumtollen. Anfassen lässt sich Albert nicht, denn so genau weiß er nun auch nicht, ob mit den Menschen alles in Ordnung ist. Doch die Zeit der Unbeschwertheit ist jäh beendet: Es hat geschneit, der Schnee liegt dick über den Häusern, den Autos, den Wegen, besonders aber auch über der Murmeltierwiese oben auf dem Berg. Albert wird sterben!
Der Vater erklärt Franz, dass Murmeltiere ihren Herzschlag senken können, sodass sie nur drei Mal pro Minute atmen müssen und so den Winter verdösen.
Was Murmeltiere können, kann Franz auch. Er zieht nach oben auf den Boden, baut sich in einer großen Klaviertransportkiste eine Murmeltierhöhle und beschließt, auch nichts mehr zu essen und nur noch drei Mal pro Minute zu atmen. Doch es will ihm nicht gelingen. Da kommt ihm ein Verdacht: Vielleicht wollte sein Vater ihn nur beruhigen und Albert geht es nicht anders unter dem Schnee wie ihm jetzt.

 

Eine Geschichte wie aus der guten alten Zeit, als es noch Zeit gab und Muße und die Kinder noch draußen sein konnten, stundenlang das kleine Leben der Umgebung erkunden und damit sich selbst finden. Es ist eine Zeit, in der die Eltern den Kindern den Freiraum geben, den sie brauchen, sie aber nicht allein lassen dabei, sondern sie liebe- und manchmal auch ein bisschen sorgenvoll begleiten.
Diese Mischung aus Liebe, Loslassen, sich sorgen aber nicht festbinden mischt Traxler in seinen Bildern mit einer gehörigen Portion Humor. Köstlich, wie er Franz und Albert fast gleichgroß zeichnet, wie er vier Monate der Annäherung zusammenfasst, wie er die Wut in Franz über den Winter zum Ausdruck bringt, die in einer Art Aufgabe mündet – hängende Schultern, den Kopf mit der hochroten kalten Nase gesenkt. Und dann die Familie, die sich aufreiht in der Küche und sich über den Willen des Kleinen freut, ohne ihn etwa auszulachen. Selbst die kleine große Schwester macht sich sorgen um ihn und bringt ihm ein Essen nach oben auf den Dachboden, aber so, dass Franz essen kann, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Und da wir wissen, dass auch der strengste Winter irgendwann ein Ende hat und die Murmeltiere zwar abgemagert sind und wie „ein leerer Turnbeutel“ aussehen, fassen wir auch wieder neuen Mut. Der „Ernst des Lebens“ wird noch früh genug kommen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en