Franziska Biermann:
Zirkus

Berlin: Bloomsbury 2009

www.berlinverlage.de

ISBN 978-3-8270-5365-7
32 Seiten * 16,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

Zirkus, das ist Direktor mit Zylinder, gereimter Zweizeiler, Ausruf, Ankündigung, Manege, Verbeugung, Tiere, Geruch nach Pferdeapfel und Musik, Blasmusik. Zirkus, das ist Kribbeln nach dem Fremden, Unbekannten. Die Leistung bleibt hinter dem Staunen darüber zurück. So wird auch gezeichnet, wird gereimt und die Leistung gepriesen: Hereinspaziert, hereinspaziert!

Hereinspaziert

Dass bereits der erste Besuch in einem Zirkus heute all dieser Verklärung Hohn spricht, wird selbstverständlich nicht erwähnt. Dass wir nicht mehr abhängig sind von „fahrendem Volk“, um Informationen außerhalb unseres Dorfes zu erhalten, sondern im Gegenteil verwöhnt sind von absoluten Spitzenleistungen von Artisten, lässt den heutigen Zirkus als Teil der Welt der Saurier erscheinen. Was bleibt, sind Verklärungen und die Sehnsucht nach einem Leben, in dem die Welt – auch – aus Staunen bestand.
Wer den gereimten (aabb) Text (in Jamben) geschrieben hat, wird nicht erwähnt. Dabei wird er nicht nur gestaltet abgedruckt, sondern auch auf der beiliegenden Audio-CD zum großen Teil gesprochen. Das Publikum sind nicht nur Menschen, sondern auch „Ziege, Panther oder Schwein“, Kuschelhasen, Krokodil. Der Ausrufer ist ein Oktopus, der ein Verkehrshütchen als „Flüstertüte“ benutzt. Zirkuszelt und Kasse sind rot-weiß gestreift, Kinder und Erwachsene des Ortes stellen sich in die Reihe, selbst ein Dampfschiff scheint dabei sein zu wollen.

Die dargestellten Kunststücke werden zum Teil am Ende des Buches aufgegriffen, denn Antje v. Stemm zeigt, wie man sich für die Aufführung eines Zirkus vorbereitet, wie man Esel wird, Eintrittskarten herstellt, als Schlangenbeschwörer auftritt oder sich “Schweinepuschel“ bastelt.

Bleibt die CD. Sie überrascht, denn neben große Teile des Textes die spielt die Musik. Für eine Begleitung der Geschichte im Buch sind die Stücke erheblich zu lang. Kein Kind wartet so lange bis zum Umblättern. Dagegen ist die Darbietung der Bläser lastigen Anklänge an den Jazz als eigenständiger Teil der Veröffentlichung in der Tat ein guter Hinweis auf die Welt der Fantasie.

 

Ja, da ist die Welt des Zirkusses zu Hause!

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en