Julio Cortázar & Emilio Urberuaga:
Rede des Bären

Aus dem Spanischen von Wolfgang Promies

Zürich: Bajazzo 2009

www.bajazzoverlag.ch

ISBN 978-3-905871-07-4
32 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Sich ein Tier in das Röhrensystem eines Hauses zu denken, ist schon ungewöhnlich, aber hier ist es auch noch ein Bär, der die Leitungen sauber hält und sich so seine Gedanken über sein Leben und die Bewohner macht. Eine Geschichte aus Argentinien, denn bei uns gibt es keine Bären in den Leitungen, die zudem auch noch reden können.

Einsam, aber nicht unglücklich

Der Original-Text von Julio Cortázar ist nun bald 50 Jahre alt (1962). Da er aber im Präsenz geschrieben ist, gilt er auch heute noch. Ein Bär, Emilio Urberuaga zeichnet dazu einen Braunbären, zottelig und rot und sehr gemütlich, erzählt neben seiner Säuberungsarbeit in den Rohren unspektakulär von seinem Leben. Nach dem ersten Stutzen nehmen wir ihn einfach so, wie er sich und sein einsames Leben beschreibt, denn nur selten darf er Kontakt aufnehmen mit den Menschen – und auch da nur sehr im Hintergrund: Mit der Tatze aus dem Wasserhahn verletzt er sehr nur sanft das Mädchen im dritten Stock und er verhindert durch Gegen, dass der Ofen zieht, sodass die Rauchschwaden im Zimmer bleiben.

Die Bilder verraten noch ein bisschen mehr, zeigen den Bären in den dicken Rohren, beim Baden in der Zisterne auf dem Dach oder eben dort auf dem Schornstein, wo er die Nacht begrüßt und die Hochhäuser, die aus dem Nebel der Stadt herausragen. Maus und Katze dürfen ihn auf den Bildern begleiten, getrennt natürlich, wenn auch manchmal sehr nah.
Die Sehnsucht nach Weite und Ferne steckt im Bild des Bären. Auf dem Rohr auf dem Dach reckt der rote Bär seine Schnauze in den freundlich gelben Himmel mit den wenigen Wolken, während unter ihm der Fluss in Meeresnähe im komplementären Grün die Schiffe vor einer Hochhauskulisse trägt.

 

Wir nehmen die Situation, als wäre sie normal, denken sie selbstverständlich sofort in unser eigenes Zuhause, ersetzen den Bären dabei durch andere Tiere, die in der Tat hineinpassen würden in unsere halb Zoll dicken Rohre. Da sie aber keine bösen Absichten haben, haben wir auch keine Angst. Vielleicht vertreiben sie unsere Einsamkeit und vielleicht können wir sogar mit ihnen reden.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en