Robert Gernhardt & Alexandra Junge:
Familie Erdmännchen

Berlin: Aufbau 2009

www.aufbau-verlag.de

ISBN 978-3-351-04099-4
32 Seiten * 16,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Ein kleines Gedicht aus der Tier- und Nonsensewelt des Robert Gernhardt nimmt Alexandra Junge zum Anlass, mit starkem Pinselstrich 14 doppelseitige Bilder zu unserem hohen Vergnügen zu malen.

Familie

Ein typischer Gernhardt. Ein kurzes gereimtes Gedicht mit wenigen Zeilen, in dem es ihm dennoch gelingt, das Versmaß für den Mittelteil zu ändern (Daktylus). Da stolpert man nach den vielleicht etwas „geleierten“ Jamben schön hinein, um am Ende dann doch wieder herauszufinden. Eine Wohnung wird gesucht, und warum gerade immer „acht“ gesucht werden, wird am Ende klar: Die Familie hat acht Mitglieder.

Dass es sich um Erdmännchen handelt und nur übertragen um Menschen, wird schnell anhand der Bilder klar, auch wenn Alexandra Junge die Tiere noch etwas versteckt. Aber da schaut ein Schwanz raus, hier verrutscht die Maske ein wenig, sind Unterarme und sogar Finger fellbedeckt. Den Hintergrund trägt sie immer stark auf, gibt ihm eine Hauptfarbe und nimmt von der Palette, was sich sonst noch darauf befindet. Dabei bleibt sie im Wesentlichen realistisch und auch perspektivisch korrekt, auch wenn sie bei den Größenunterschieden etwas großzügig ist. Da passt eine Giraffe in die Riesenradgondel wie ein Koalabär, hocken Maus wie Wildschweineber auf dem Stuhl, um bei der Auktion mitzubieten.
Sehr witzig interpretiert sie den geforderten „Riesenpark“ als Spielgerätepark, in dem verschiedene Tiere auf nachgemachten sich im Kettenkarussell drehen, während ein großer Koalabärkopf im Vordergrund sich als Luftballon herausstellt.

Das beeindruckendste Bild ist ihr allerdings mit dem Zitat auf M. C. Escher (Relativität, 1953) gelungen, in welchem sich sehr verschiedene Perspektiven mischen, Treppen nach oben zu laufen scheinen, während sich ein Erdmännchen „unterhalb“ auf den Stufen bewegt, Frosch- und Vogelperspektive zugleich zu sehen sind. Sie übernimmt dabei auch Einzelheiten, spielt allerdings damit, zeichnet Fußabdrücke, macht aus einem Arm auf dem Treppengeländer eine Gans, die längs dort herunterrutscht und die Person aus einem anderen Bild von Escher (Belvedere, 1958) zu einem Erdmännchen mit „Flüstertüte“. Auch wenn man die Originale nicht kennt – sehr köstlich und ausgesprochen verwirrend zu betrachten!

 

Sehr zu empfehlen für Personen jeden Alters.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en