Jan Lööf:
Matildas Katzen

Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke

Frankfurt: Moritz 2009

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-203-5
28 Seiten * 12,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Ein kleines Mädchen, ein Haus, ein Tiger, ein Löwe – wenn das nicht sensationell ist! Matilda verbringt einen Großteil des Tages damit, ihre beiden „Katzen“ zu füttern und zu bewegen. Klar, dass alle in der Umgebung Angst haben vor den beiden. Dabei sind sie ganz lieb, fast handzahm.

Wirklichkeit

Ja, Haustiere hat man erst einmal lieb, besonders, wenn sie kuschelig sind. Sie können aber auch ganz schön nerven, denn mit dem „Besitz“ hat man auch Verantwortung übernommen. Hunde geben viel zurück. Sie wedeln mit dem Schwanz und bellen freudig, wenn man wieder daheim ist. Katzen sind da anders. Gut, kurz vor der Fütterung kommen auch sie und schmiegen sich an die Beine der „Dosenöffner“, ansonsten aber machen sie, was sie gern machen wollen und nehmen gar keine Rücksicht.
So auch Matildas Katzen, für die das kleine Mädchen täglich „20 Liter Eintopf mit Speck“ kochen muss, vom Einkauf ganz abgesehen. Dafür sind Löwe und Tiger sehr geduldig. Sie hocken still aber sehr aufmerksam hinter Matilda, die ob des hohen Topfes sogar auf einem Hocker stehen muss, um mit dem großen Kochlöffel umzurühren.
Ein bisschen Angst oder wenigstens Respekt haben alle außerhalb des Hauses, wenn Matilda ihre „Katzen“ spazieren führt, sei es in der Stadt, sei es am Steg am Fluss. Da hat Matilda ganz schnell ganz viel Platz, weil alle anderen mehr oder weniger fluchtartig den Ort verließen. Wer möchte schon gern mit Löwe und/oder Tiger oder sogar mit beiden sich einen kleinen Platz teilen?

Nur innerhalb des Hauses gibt es auch einen Hintergrund. Draußen sind Mensch, Tier, Haus und Baum wie ausgeschnitten vor einem glatten Hintergrund. Die ganze Szenerie wirkt unglaublich gekünstelt, unecht, fast wie ausgedacht und genau so auf das Papier gebracht.
Und genau wie gezeichnet, so ist es auch. Matildas Katzen erweisen sich als Kätzchen, für die das Kind sorgen muss, denn es seien ja schließlich ihre, sagt ihre Mutter. Angst haben auch alle anderen Menschen in der Umgebung nicht, im Gegenteil, die beiden Kätzchen erweisen sich als schmusebedürftig und holen sich ihre Streicheleinheiten auch bei den Nachbarn.

Blättern wir noch einmal zurück. Die Geschichte eröffnet sich nun völlig anders. Matilda empfindet so, wie Jan Lööf sie zeichnet! Klar, sie wollte die Tiere haben, aber die Pflichten sind doch arg groß. Jeden Tag muss sie füttern – da kann man schon mal übertreiben bei der Größe der Mahlzeit. Immer soll sie auch für Auslauf sorgen – ach, wenn die Nachbarn doch tatsächlich Angst hätten vor ihren Tieren! Immer kommen sie in ihr Bett – egal, ob sie vielleicht auch mal allein sein möchte. Die Kuscheltiere können auch mal zu Plagegeistern werden. Obwohl – nein, eigentlich nicht für Matilda. Die liebt ihre Katzen – auch wenn sie wirklich nur Katzen sind.

Jan Lööf gelingt eine Geschichte, die zwischen Realität und Vorstellungskraft nicht unterscheidet, die vor allem so gezeichnet ist, als wenn die Vorstellung die Realität sei. Die Buchdeckel-Innenseiten mit den unterschiedlichen Köpfen von Löwe und Tiger geben schon einmal Hinweise.
Es gelingt ihm ein Malstil, der realistisch scheint und zugleich künstlich ist. Das liegt einerseits am Stil, andererseits an der Darstellung des Mädchens. Fast gelangweilt steht sie zwischen den Tieren, deren Stockmaß sie so grade erreicht. Köstlich, wie sie mit dem Löwen beim Waschen und Fönen umgeht, absolut mutig, wie sie dem Tiger mit der Schrubber-Zahnbürste die scharfen und großen Zähne putzt! Wie bedröppelt dürfen die beiden Großkatzen dabei schauen und sich fügen. Was sein muss, muss eben sein – scheinen ihre Mienen zu sagen. Das gilt für alle Haustiere, mehr aber noch für die, die für diese sorgen müssen. Das geschieht in der Wirklichkeit. Das Buch gibt aber noch mehr.

Ein Lob der Fantasie!

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en