Jeanette Randerath & Günther Jakobs:
Du bist ein echtes Wundertier

Stuttgart: Thienemann 2009

www.thienemann.de

ISBN 978-3-522-43609-0
32 Seiten * 12,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Der eine lehrt, der andere lernt. Das muss nicht immer zusammen passen. Der Seehund, der Einsiedlerkrebs, die Möwe und das Schaf geben sich die größte Mühe, die kleine Trottellumme lebenstüchtig zu machen, aber die lernt zum Erstaunen der ‚Lehrer’ etwas völlig anderes.

lehren ist nicht lernen

Schiffbrüchiger am Strand! Die kleine Trottellumme erreicht völlig erschöpft auf ihrem kleinen Floß das Ufer. Schaf und Robbe helfen ihr, der Einsiedlerkrebs macht die erste ärztliche Untersuchung: Nichts gebrochen, nur erschöpft! Die Möwe mischt sich ein und besorgt erst mal etwas zu essen. Nach dem Bauch das Lernen. Den Anfang macht der Seehund, der so wunderbar heulen kann. Aber so sehr er sich auch müht, der Lumme entlockt er keinen Ton. Ein bisschen frustrierend ist das schon. Er nimmt den kleinen Vogel auf den Rücken und taucht zur Sandbank. Da ruht der eine sich erst mal aus, der Kleine aber versucht sich gleich noch einmal im Tauchen. Es klappt!
So ähnlich geht es auch den anderen Freunden, die dem Schiffbrüchigen ihr Bestes beibringen wollen. Überall das Gleiche: Die kleine Lumme kann oder will wohl nichts lernen. Dass sie allerdings sehr wohl etwas lernt, wenn auch jeweils etwas anderes, bemerken die Lehrer nicht. Erst als die Lumme einen wilden Sturm unbeschadet überlebt, stellen sie erstaunt fest: „Woher hast du denn fliegen, tauchen, sprechen … gelernt?“ und auch noch den Weg zurück gefunden?

Die Trottellumme, die uns Günther Jakobs zeichnet, trägt ihren Namen zurecht. Unsere Assoziation zu „trottlig“ und damit „ungeschickt“ ist nicht unberechtigt: zu große Füße, über die der Kleine schon mal stolpert, viel zu großer, gebogener Schnabel, erst drei „Haare“ auf dem Kopf. Auch die anderen Tiere beschränkt er relativ grob auf ihre Umrissformen, sortiert sie je nach Situation als Zuschauer in Reihe oder Auge in Auge als Lehrer und Schüler oder schläfrig der eine und ausprobierend auf einer ganzen Seite der andere.

Eine schöne Geschichte, die vor allem auch Lehrern und Eltern zu denken geben sollte. Nicht immer wird das gelernt, was gelehrt wird – und das muss gewiss nicht immer zum Nachteil sein.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en