Dagmar Geisler:
Ich geh doch nicht mit jedem mit!

Bindlach: Loewe 2009

www.loewe-verlag.de

ISBN 978-3-7855-6239-0
28 Seiten * 9,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 Lu wartet nach dem Kindergarten, dass sie wie versprochen abgeholt wird. Sie weiß, mit wem sie mitgehen darf. Und damit weiß Lu auch zugleich, mit wem sie  n i c h t  mitgehen wird. Sie erläutert auch sehr einleuchtend, dass sie die ihr bekannten Personen nicht wirklich „kennt“. Sehr zum Nachmachen zu empfehlen.

Selbstbewusst

Alle anderen Kinder sind schon abgeholt worden, nur Lu steht immer noch vor dem Kindergarten. Zwei Frauen und zwei Männer kommen nach und nach vorbei und wollen sie nach Hause begleiten, aber Lu lehnt jeweils bestimmt ab. Für uns Leser erklärt sie in vier oder fünf kleinen Bildern plus Text auch, dass sie zwar Frau Schmidts Namen weiß, aber kennt sie auch ihren Vornamen? Sind die Haare echt oder gefärbt? Badet oder duscht Frau Schmidt lieber? Hat ihr Hund einen Namen? Nein, Lu kennt Frau Schmidt nicht. Von Frau Moser weiß sie zwar einiges, aber auch da sind Lücken: Schnarcht sie? Macht sie Gymnastik? Nein, Lu geht auch mit Frau Schmidt nicht mit – auch wenn es inzwischen begonnen hat zu regnen. Erst mit der fünften Person geht Lu mit, obwohl die so überhaupt nicht Vertrauen erweckend aussieht.

 

Auf dem Vorsatzpapier sehen wir die Mitgeh-Regel, die Lu wohl mit ihren Eltern erarbeitet hat. Auf den letzten Seiten steht die Aufforderung, es ihnen gleichzutun. Danach gibt es noch Hinweise auf fünf Informations- bzw. Beratungsstätten. Dazwischen die Bilder mit der sehr niedlichen und scheinbar schutzbedürftigen kleinen Lu mit ihren dünnen Beinchen in den etwas zu großen gelben Gummistiefeln, die aber erfreulich selbstsicher und selbstbestimmt ist. Die eingefügten kleinen Bilder zeigen, was Lu unter „kennen“ versteht. Der Schlusstext hinter jeder Begegnung ist jeweils gleich und zudem fett gedruckt: „Und außerdem hat Mama gesagt, dass ich warten soll.“

 

Wenn man weiß, dass 90 Prozent aller Missbrauchsfälle aus dem unmittelbaren Umfeld der Kinder geschehen, dann ist es umso wichtiger, dass Kinder wissen, nicht nur nicht mit „Fremden“ mitzugehen, sondern mit niemandem, der nicht ausdrücklich als „erlaubt“ gilt.

 

Ein wichtiges Thema, ein gutes Buch.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en