H. Chr. Andersen & Jochen Stuhrmann:
Des Kaisers neue Kleider

Stuttgart: Thienemann 2009

www.theinemann.de

ISBN 978-3-522-43547-5
32 Seiten * 12,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Ein nackter Kaiser, der sich in vollkommener Kleidung wähnt? Da kann es sich nur um Selbstüberschätzung handeln! Das gibt es heute gar nicht mehr! Nein? Ein Blick auf MTV oder VIVA, ein Interview mit „Fifty Cent“ oder mit  Frau „Hilton“ oder mit ähnlichen Personen – und wir wissen, wie aktuell dies eher harmlose Märchen ist.

Nein, was bin ich schön

Schnittmuster einer Schneiderei eröffnen das Buch, denn darum dreht es sich ja. Vordergründig wenigsten. Wir wissen ja längst, dass es sich um Eitelkeit handelt, um völlig übertriebenes Selbstgefühl, das der bedient, der das Innere des anderen erkennt und ihm das liefert, was er haben will.

Sonja Hartl hat den Text leicht überarbeitet, „zeitgemäß“ gestaltet, und Jochen Stuhrmann bringt die Geschichte in Bilder, in denen Tiere menschlich sein dürfen. Die Charakter-Zuweisung fällt da oft leichter. Der Kaiser ist nun also ein Frosch, dem viele Mäuse mit langer Schnauze seinem Trachten nach schöner Kleidung zu Willen sein wollen.

Stuhrmann beginnt mit einer Art Ahnengalerie, bevor der den Text in seine Bilder lässt. Fuchs und Dachs zeichnet er als die beiden Betrüger, die behaupten, dass man die wahren Berater daran erkennen könne, wenn sie „ihre“ Kleidung als hervorragend erkennen würden. Die Schleimer und Unwürdigen würde man aussondern können, denn sie würden die wunderbare Kleidung nicht als solche sehen. Der Eitle fällt gern auf diesen Trick herein, erkennt seine eigene Unwürdigkeit, da er den Stoff nicht sehen kann, wird das aber nie eingestehen. Gefangen in seiner selbst.

Die Unwissenden, Unsehenden, Unwürdigen lächeln, halten sich die Hand vor den Mund, damit man ihr Lachen nicht hören möge. Wir sehen den Hasen, den Hund, Alligator, Nashorn, Elefant. Wir sehen auch eine Hommage an die Bremer Stadtmusikanten, und wir lieben solche Ausflüge in andere Märchen – und wir lieben es besonders, wenn die, die sich eines Bessere dünken, sich lächerlich machen. Da wird dem „kleinen Mann“ mit seinem „gesunden Menschenverstand“ eine Rolle zuteil, die er auch gern im wahren Leben haben möchte. In Zeiten der Krise (wir haben das Jahr 2009) wird dem allerdings gezeigt, dass er die Zeche zu zahlen hat. So oder so.

Wunderbare Bilder begleiten diese Geschichte. Eine mutige Farbgebung zwischen den braunen Grundtönen und dem Grün des Froschkaisers, das sich in der Kleidung des rotbraunen Fuchses wieder findet. Kurz: Mutig und sehr treffend interpretiert!

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en